Charon
Ein Rockdrama von Olaf Stelmecke und Isolde Lommatzsch
Charon dient seit Ewigkeiten als Fährmann, der in seinem Nachen die Toten über den Fluß Acheron zum Tor des Hades übersetzt.
Zu ihm dringt ein Lebender vor, der zur Lethe, dem Strom des Vergessens, gebracht werden möchte.
Mit einem Krug voller Lethe will jener in die Oberwelt entschwinden, um schreckliche Kriegserlebnisse aus seinem Gedächtnis zu tilgen.
Nur so scheint es ihm möglich, mit seiner Geliebten ein sorgenfreies Leben zu führen. Charon verweigert dem Eindringling seinen Fährdienst, gewinnt jedoch mehr und mehr Interesse am Schicksal der Menschen und an der Liebe.
Als es dem Lebenden durch eine List gelingt, seinen Krug mit dem Wasser des Vergessens zu füllen, seine Geliebte jedoch vergewaltigt und selbstgemordet an den Ufern des Acheron auf ihre Überfahrt wartet,
erkennt der Fährmann, daß das Verdrängen der Geschichte, die Abkehr von sich selbst in die Leere, ins Nichts führt.
Nach eilig vollzogener Hochzeit wird der Lebende seine Geliebte vergessen, wie auch sie ihn vergessen muß.
Charon steigt zu den Lebenden auf und läßt den Selbstverlorenen als Fährmann auf dem Acheron zurück.